SKG - Saarländische Krankenhausgesellschaft e.V.[http://www.skgev.de/Klinik-Nachrichten | Druckdatum: 21.11.2017]

Klinik-Nachrichten

18.10.2016

Besonderen Konzept zur Betreuung von Demenzpatienten im Krankenhaus


Das St. Nikolaus-Hospital startet am 17.10.2016 mit einem besonderen Konzept zur Betreuung von Demenzpatienten im Krankenhaus

Mit dem Projekt „Sophienstübchen“ beschreitet das St. Nikolaus-Hospital, dessen Träger die Sophienstiftung ist, neue Wege in der Behandlung von kognitiv beeinträchtigten Menschen während eines stationären Aufenthaltes in der Fachklinik für Geriatrie.

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An Demenz erkrankte Menschen sind oft orientierungslos, haben erhöhten Bewegungsdrang, sind oft schlichtweg überfordert mit der Situation Krankenhaus und neigen daher zu Angstzuständen oder gar einer Verweigerungshaltung im Behandlungsverlauf. Gerade bei einem stationären Aufenthalt profitieren die Patienten und Patientinnen hier von der besonderen Tagesbetreuung in eigens dafür liebevoll eingerichteten Räumen mit Ritualen, festen Bezugspersonen  und festem Tagesrythmus. Die Räume bieten Möglichkeiten der Entspannung, der Bewegung und vor allem dem Aufspüren alter Erinnerungen. Überall  liegen und hängen Gegenstände aus dem Alltag oder aus der Vergangenheit. Es gibt Bücher, Postkarten und Bilderbücher aus den 1930er bis 1950er Jahren. Es gibt Musikinstrumente, Handarbeitsmaterialien und eine gut ausgestattete Küche um Menschen mit Demenz in den Alltag zurückzuführen und kognitiv zu aktivieren. Täglich wird durch gut geschultes Fachpersonal und interessierte Ehrenamtliche ein spezielles Angebot für die Besucher des Sophienstübchens erstellt, was nicht nur die akutstationäre, somatische  Behandlung  unterstützt, sondern die Patienten auch in das Hier und Jetzt zurückbringt.

Das Team des Sophienstübchens bietet darüber hinaus in Sprechstunden eine individuelle Beratung  für Angehörige an. Durch das tägliche „Zusammenleben“ mit den Patienten und Patientinnen kann hier individuell auf die Bedürfnisse und Lebensumstände eingegangen werden. Hier knüpft die Sophienstiftung an das Projekt Demik-Plus an und bietet über den akutstationären Aufenthalt hinaus eine umfassende Wegbegleitung für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen an.

„Die Vision der Klinikleitung ist weitreichend“, so Siegfried Witti, der Pflegedienstleiter des St. Nikolaus-Hospitals. „Die neuen Therapieräume  und das beständige Personal sollen Ängste abbauen, vor allem aber den Patienten und Patientinnen eine sichere Umgebung  bieten. Darüber hinaus bedeutet das spezielle Tagesangebot auch eine Entlastung für die Pflegemitarbeiter auf Station. Das Miteinander der Patienten auf der Station wird entzerrt und damit entspannt.“

Die Geschäftsführung kümmert sich derweil um die Finanzierung. Anette Fritz, Verwaltungsdirektorin am St. Nikolaus-Hospital, führt dazu aus: „Spendengelder haben den Aufbau der neuen Therapieräume ermöglicht. Die Refinanzierung der laufenden Kosten steht allerdings noch aus. Obwohl Fachverbände die besondere Betreuung demenziell erkrankter Menschen fordern, fehlt es hier an Finanzierungsmodellen, beispielsweise über die Fallpauschalen der Krankenhäuser. Hier ist nachzubessern. Das umfassende Konzept „Komplexleistung bei Erstdiagnostik Demenz“ wurde deshalb jüngst in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhäuser im Saarland e.V. als förderungswürdige neue Versorgungsform, die eine qualitative Weiterentwicklung des Gesundheitssystems bedeutet, dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses vorgeschlagen.“

Das St. Nikolaus-Hospital versorgt als geriatrisches Zentrum mit einer Kapazität von ca. 73 stationären sowie 12 teilstationären Behandlungsplätzen die Bürger des Landkreises Saarlouis und Umgebung. Die Geriatrische Fachklinik hat neben dem Versorgungsvertrag nach § 111 SGV für die Versorgung von rehabilitativen geriatrischen Patienten auch den Auftrag der akutgeriatrischen Versorgung im Krankenhausbedarfsplan des Saarlandes.


Bild Team Sophienstübchen von links:
Sandra Lühl, Isabel Kieren, Anette Fritz, Astrid Krächan, Rita Zoller, Mirian Blanco

Pflegedirektor Siegfried Witti