SKG - Saarländische Krankenhausgesellschaft e.V.[http://www.skgev.de/SKG-Pressemitteilungen | Druckdatum: 21.11.2017]

SKG-Pressemitteilungen

11.05.2015

Jeder fünfte Krankenhauspatient ist demenzkrank


Saarländische Krankenhäuser starten das Projekt „Demenz im Krankenhaus“ – Auftaktveranstaltung am 2904.2015 in Wallerfangen

Aufgrund der demografischen Entwicklung prägen zunehmend ältere Patienten das Bild im deutschen Klinikalltag. Ältere und vor allem hochbetagte Patienten leiden jedoch häufig unter mehreren Krankheiten gleichzeitig, und diese überlagern nicht selten die Behandlung der Grunderkrankung, die für den Krankenhausaufenthalt ursächlich war. Die so bezeichnete Multimorbidität stellt damit ärztliches wie pflegerisches Personal in den Krankenhäusern vor besondere Herausforderungen. Neben den körperlichen Diagnosen leiden ältere Patienten in einem hohen Maße auch an psychischen Erkrankungen, insbesondere an Demenzen, die einer Behandlung bedürfen.

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Diesen Herausforderungen stellen sich die saarländischen Krankenhäuser. „Das unter dem Dach der SKG aktuell gestartete Projekt trägt den besonderen Bedürfnissen demenziell erkrankter Patienten Rechnung“, so Manfred Klein, Vorsitzender der Saarländischen Krankenhausgesellschaft, anlässlich der Auftaktveranstaltung des SKG-Projektes „Demenz im Krankenhaus“ am 29.04.2015 im St. Nikolaus Hospital Wallerfangen.

„Der Handlungsdruck für die Kliniken, sich auf demenzkranke Patienten stärker einzustellen, wächst stetig. Bereits jeder fünfte Patient im Akutkrankenhaus ist demenzkrank“, so Frau Dr. Sabine Kirchen-Peters, Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e. V. Saarbrücken (iso-Institut). Durch unangepasste Strukturen und durch Zeitdruck komme es häufig zu unerwünschten Ereignissen wie Stürzen oder Delirien. Aber die Umstellung der Arbeitsweisen sei hoch komplex. „Das Projekt ‚Demenz im Krankenhaus‘ der Saarländischen Krankenhausgesellschaft soll den saarländischen Krankenhäusern Hilfestellung leisten, diese schwierige Aufgabe zu meistern“, so Dr. Kirchen-Peters weiter.

Mit dem Projekt „Demenz im Krankenhaus – Dem-i-K“ der Arbeitsgemeinschaft katholischer Krankenhäuser im Saarland wurden in den letzten drei Jahren bereits Wege aufgezeigt, wie die Akutversorgung demenzkranker Patienten unter unterschiedlichen strukturellen Rahmenbedingungen gelingen kann. Das Projekt hat gezeigt, dass die negative Entwicklung dementer Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes verhindert werden kann, wenn die Betroffenen kompetente Hilfe und Unterstützung erhalten. Schwerpunkte des Projektes waren die Schulung der Pflegekräfte in den teilnehmenden Krankenhäusern, regelmäßige Fallbesprechungen, spezielle Tests bei der Aufnahme älterer Patienten sowie die Einrichtung eines ärztlichen Konsiliardienstes zur Betreuung demenziell erkrankter Patienten.

Um die Frage, wie demente Patienten in den saarländischen Krankenhäusern heute und in Zukunft behandelt werden, beantworten zu können, hatte das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie eine wissenschaftliche Studie zu dem Modellprojekt Dem-i-K finanziell getragen. „Die Handlungsempfehlungen, die am 19.09.2014 der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt wurden, sollen nun in den anderen saarländischen Krankenhäusern Eingang finden. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der Landesregierung zu einer demografiegerechten Gesundheitsversorgung der saarländischen Bevölkerung.“, so Brigitte Schmidt-Jähn, saarländisches Gesundheitsministerium, in seinem Grußwort.

Angelehnt an das Projekt Dem-I-K der katholischen Krankenhäuser wird die SKG im Jahr 2015 das Projekt „Demenz im Krankenhaus“ durchführen. Ziel dieses Projektes ist es, die Ergebnisse des Projekts „Dem-i-K“ allen saarländischen Krankenhäusern bekannt zu machen und so einen Austausch über die Erfahrungen auf dem Weg in eine demenzsensible Ausrichtung zu ermöglichen. Geplant ist die Durchführung von insgesamt vier Veranstaltungen, die sich an die unterschiedlichen Berufsgruppen im Krankenhaus richten werden.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu diesem Projekt am 29.04.2015 haben Experten aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich über ihre Erfahrungen mit der Betreuung dementer Patienten berichtet.

„Die aktutmedizinische und pflegerische Versorgung demenzerkrankter Patienten im Krankenhaus bedarf besonderer Aufmerksamkeit“, so Hans-Georg Schmidt, Pflegedienstleiter in den Saarland Kliniken kreuznacher diakonie, in seinem Vortrag, in dem er die die professionelle Betreuung von demenzerkrankten Patienten und die kontinuierliche Weiterentwicklung demenzsensibler Strukturen in den Saarland Kliniken vorstellte. Diese reichen von baulich-umgebungsbezogenen Veränderungen der Patientenzimmer (z. B. farbliche Gestaltung der Wände) sowie der Stationen (z. B. Einrichten eines Wohnzimmers), über fachliche Qualifikation  und Weiterbildung des Personals im Umgang mit demenzerkrankten Patienten bis hin zu strukturell personellen Initiativen (z. B. Einsatz von Demenzbetreuerinnen zur Tagesstrukturierung, Unterstützung durch Ehrenamtliche).

„Für Menschen mit Demenz stellt eine Krankenhauseinweisung immer eine Krise dar.  Zusätzlich zu den gesundheitlichen Problemen, die zu der Einweisung führen, kommt die Herausforderung durch eine unbekannte Umgebung und die Schwierigkeit, sich in dieser Situation zurechtzufinden.“, so Frau Dr. Rosa Adelinde Fehrenbach, Fach­ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Geriatrie, SHG-Kliniken Sonnenberg. Eine besondere Gefahr stelle für Demenzkranke  die Entwicklung eines Delirs (akuter Verwirrtheitszustands) dar.  Die vielfältigen Ansätze zur Vermeidung eines Delirs und zur Verbesserung der Situation Demenzkranker - wie Schulungen der Mitarbeiter, gerontopsychiatrischer Konsil- und Liaisondienst, zusätzliche Betreuungskräfte, räumliche und strukturelle Anpassungen in den Krankenhäusern – wurden von Frau Dr. Fehrenbach im Rahmen ihres Vortrags beleuchtet.

Auf die bislang fehlende Finanzierung demenzsensibler Behandlung im Krankenhaus und die damit zusammenhängenden Probleme für die Krankenhäuser wies Thomas Jungen, Geschäftsführer, Arbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhäuser Saarland,  hin. "Alles Gute ist gefährlich, wenn falsch damit umgegangen wird. Demenz­sensible Be­hand­lung braucht angemessene Rahmen­bedingungen“, so Thomas Jungen.

Der Auftaktveranstaltung folgen in den nächsten Monaten zwei Workshops, die sich an die Pflegekräfte bzw. an die Ärzte der saarländischen Krankenhäuser richten, sowie am Ende des Jahres 2015 eine Abschlussveranstaltung, in der ein Resümée der bisherigen Aktivitäten gezogen werden soll.

Die Saarländische Krankenhausgesellschaft e.V. (SKG) ist der Dachverband der Krankenhausträger im Saarland. Sie vertritt seit 1950 die Interessen der gegenwärtig 21 öffentlichen und freigemeinnützigen Krankenhäuser des Saarlandes in der Landes- wie Bundespolitik und nimmt ihr per Gesetz übertragene Aufgaben wahr. Die saarländischen Krankenhäuser versorgen jährlich stationär etwa 275.000 Patienten. Mit zusammengenommen rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind sie einer der größten Arbeitgeber des Saarlandes.

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